„Die sieben Geheimnisse guten Sterbens“

Buchlesung mit Dorothea Mihm  am 11.03.2016.

Ist der Hospizgedanke in der Mitte der Gesellschaft angekommen? Nach einer Veranstaltung im Paderborner Rathaus, zu der der Hospizdienst Tobit eingeladen hatte, darf man das vermuten. Der Rathaussaal war fast bis auf den letzten Platz gefüllt mit Zuhörern, die das schwierige Thema Tod und Sterben nicht scheuten. Die Gäste waren aus einem doppelten Grund gekommen. Sie wollten das „kleine“ fünfjährige Jubiläum von Tobit feiern, vor allem aber hatte sie die Autorin Dorothea Mihm angelockt.

Die Palliativpflegerin hat einen Bestseller über ihren Beruf geschrieben. „Die sieben Geheimnisse  guten Sterbens“ hat der Verlag ihr Buch überschrieben – und es war nett, wie Dorothea Mihm sich in Paderborn von diesem Titel distanzierte. Diese Art von Werbesprache sei ihr fremd, gestand sie: „Das ist mir viel zu reißerisch.“

Dennoch: Der Umgang der Öffentlichkeit mit der Hospiz- und Palliativarbeit ist tatsächlich selbstverständlicher geworden. „Das Ende des Lebens wird nicht mehr so verdrängt“, sagt Brigitte Badke. Sie und Ulrike Heinzen sind hauptamtliche Koordinatorinnen von Tobit. „Viele Menschen haben einfach erkannt, welche Entlastung  die Unterstützung durch Hospizmitarbeitende bedeuten kann.“

Genau das hatten die Initiatoren von Tobit im Sinn, als sie im März 2011 den neuen Hospizdienst gründeten. Der Caritasverband Paderborn und das Brüderkrankenhaus St. Josef hatten sich dafür zusammengetan. Drei Ziele habe man damals vor allem gehabt, sagt Christoph Robrecht, Hausoberer im Brüderkrankenhaus: „Wir wollten die Vereinzelung vieler Menschen beenden, das Thema Tod enttabuisieren und die demographische Entwicklung einer immer älteren Gesellschaft auffangen.“

Das ist gelungen, auch weil sich die Partnerschaft der beiden Träger bewährt hat. „Die Nachfrage ist stark gestiegen, zur Zeit können wir kaum noch alle Anfragen zufriedenstellen“, stellt Hans-Werner Hüwel, Leiter des Caritasbereichs Pflege & Gesundheit fest. Ein Grund ist die gute Vernetzung von Tobit. Der Hospizdienst ist Partner im Palliativnetz Paderborn e.V. und kooperiert auch mit vielen stationären Pflegeeinrichtungen.
Neue ehrenamtliche Mitarbeiter werden also gebraucht.  Im  Mai endet der sechste Ausbildungskurs. Zurzeit begleitet Tobit etwa 40 schwerstkranke und sterbende Menschen und ihre Familien im Jahr. Hinzu kommen die vielen Beratungen und Hausbesuche durch die beiden Koordinatorinnen.

Die Autorin Ulrike Mihm kennt diese Arbeit seit vierzig Jahren. „Das Sterben ist die schmerzlichste Prüfung im Leben“, sagt sie. Aber es lohne nicht, die Gegenwart des Todes zu verdrängen, er sei immer schon da: „Wir können ihm nicht entgehen, doch wir können uns und andere vorbereiten, um ihm angstfrei und friedvoll entgegenzusehen.“
Im Oktober startet Tobit einen neuen Ausbildungskurs für ehrenamtliche Mitarbeiter.

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